| Benjamin Schmid aus Westafrika zurück |
30.03.2015 |
Markt Schwaben - 30.03.2015. Benjamin Schmid ist wohlbehalten aus seinem Auslandseinsatz in Westafrika zurückgekehrt. Von Ende Januar dieses Jahres an war er fünf Wochen in Sierra Leone Teil einer „fliegenden Werkstatt“, die er durch seine Kenntnisse als Mechaniker unterstützte. Seine Aufgaben betrafen dabei insbesondere die Wartung von Stromerzeugern für Ebola-Behandlungszentren.
Er sei sehr froh, die Möglichkeit genutzt zu haben, den Betroffenen direkt vor Ort zu helfen. „Ich habe lange überlegt, ob ich das wirklich machen soll“, so Schmid. Nicht nur Ebola im Besonderen, sondern auch banale Dinge, die in einem westafrikanischen Land Probleme bereiten können, hätten ihm zunächst Bedenken beschert. Die umfassende Vorbereitung und Ausbildung durch die THW-Leitung und die Garantie, jeden Helfer in Notlagen sofort auszufliegen, hätten ihm jedoch die nötige Sicherheit gegeben. Dabei müsse sich die Notlage nicht unbedingt auf eine Erkrankung beziehen. Auch auf die psychische Belastung der Einsatzkräfte wurde und wird geachtet.
Los ging es für Schmid zunächst mit einer Reise zur THW-Leitung nach Bonn. Dort erhielt er eine umfassende Einsatzvorbesprechung. Themen waren dabei auch: Wie kann man sich vor Ebola schützen? Wie wird die Krankheit übertragen? Welche Maßnahmen sind im Notfall einzuleiten? Zusätzlich wurde allen Einsatzkräften eine Reiseapotheke, ein Hygiene-Set mit Flächen- und Hand-Desinfektionsmitteln und ein PSA (Persönliche-Schutz-Ausrüstung) Notfall-Set gestellt. Dabei wäre ein zwar unwahrscheinlicher, aber möglicher Notfall gewesen, dass einer der Helfer Symptome zeigen würde, die zu Ebola passen könnten. Dazu mussten die Einsatzkräfte selbständig zweimal täglich Fieber messen – 90% der Leute, die sich mit Ebola infizieren, haben Fieber als erstes Symptom. „Man lernt sich dabei sehr gut selber kennen. Bereits zurück in Deutschland hatte ich einmal erhöhte Temperatur, noch weit weg von Fieber, und habe danach, nicht besorgt, aber etwas angespannt stündlich Fieber gemessen. Da wirst du ruhiger, wenn es jede Stunde runter geht“, so Schmid.
Per Linienflug ging es für die Helferinnen und Helfer von Bonn über Frankfurt zunächst nach Ghana und schließlich mit einer Bundeswehrmaschine ins Krisengebiet nach Sierra Leone. Insbesondere die Stadt Makeni und ihre Umgebung waren das operative Ziel der Einsatzkräfte. Auf die Frage, ob er sich auf das Land und seine Kultur vorbereiten konnte, antwortet Schmid: „Ich habe versucht, sehr umfangreiche Länderbeschreibungen oder auch Internetartikel und Satellitenaufnahmen aufzuarbeiten, aber das ist einfach nicht greifbar – erst wenn man dort ist. Viele der Einheimischen verdienen für europäische Verhältnisse sehr wenig. Wie die damit auskommen, ist erstmal unbegreiflich.“ Die neue Kultur könne man erst vor Ort erleben und verarbeiten. Insbesondere das geschäftige Treiben auf den Straßen der Stadt hätte ihn zunächst irritiert, waren doch die Leute aufgefordert, nicht auf die Straßen zu gehen. Einmal seien ihm sogar durch das Autofenster hindurch lebende Hühner zum Verkauf angeboten worden. „Da habe ich aber eine Entwicklung bei mir selbst gemerkt. Nach ein zwei Wochen war ich da tiefenentspannt. Man gewöhnt sich einfach dran. Je länger ich da war, desto besser wurde es.“
Das Technische Hilfswerk ist nun bereits seit rund sieben Monaten in Westafrika aktiv und leistet dort insbesondere logistisch-technische Hilfe. Dazu zählen unter anderem der Aufbau von Camps und Satellitenkommunikationssystemen sowie Infrastrukturwartung und Beschaffungen. Beispielsweise hat das THW Motorräder beschafft, damit man im Land Blutproben schneller transportieren kann. Zusätzlich wurde allen nationalen und internationalen, Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen technische Unterstützung und Know-How angeboten.
Tief beeindruckt hat Benjamin Schmid die Dankbarkeit der Bevölkerung. Insbesondere als die THW-Helferinnen und -Helfer von ihren richtigen Jobs berichteten und klar machten, dass sie ehrenamtlich helfen. Die Mehrzahl der UN-Hilfsorganisationen basieren auf angestellten Einsatzkräften und hauptberuflichem Personal. „Ich bin also nur hier, weil ich gerne helfe und sehe, dass ich hier etwas erreichen kann. Da waren sie durch die Bank begeistert“, berichtet Schmid. Generell sei der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung durchwegs positiv gewesen. Die THW-Kräftewaren selbst bei einer einheimischen lokalen Organisation untergebracht, die unter anderem Mechaniker und Techniker ausbildet. Die entgegengebrachte Dankbarkeit motivierte Schmid besonders. Den Einsatz in Westafrika bereut er nicht im Geringsten. „Mit den positiven Erinnerungen, aber auch mit der eigenen Vorsicht, die man erlebt hat, würde ich das jederzeit wieder machen. Ich werde mich auf jeden Fall zu Auslandseinsätzen wieder freiwillig melden“, so Schmid. Er habe sowohl zu den ehemaligen Kameraden als auch zu den Einheimischen weiterhin regen Kontakt.
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